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Parallelen von Depressiven und Angehörigen

Ausgearbeitet von unserem Mitglied Iris.

Gefühle Depressiver Angehöriger

Traurigkeit

„Grundloses“ weinen.
Nichts ist mehr wie es war.

Zu sehen das es dem Depressiven schlecht geht. Kann die Traurigkeit nicht verstehen. Trost wird vielleicht nicht angenommen.

Wütend

Über sich selbst oder andere wütend/ärgerlich sein weil er z.Bsp. das Gefühl hat nichts richtig machen zu können, der andere ihn nicht versteht und ihm keiner helfen kann.

Hat zum Beispiel versucht dem Depressiven zu helfen aber alle Bemühungen bleiben Erfolglos.

Angst

Zum Beispiel: Das Leben nicht zu schaffen. Angst vor sich selbst das man sich etwas antut. Angst der andere könnte einen verlassen.

Das der Depressive sich etwas antut. Sich immer weiter „entfernt“.

Hilflosigkeit und Machtlosigkeit

Der Depression hilflos ausgeliefert zu sein und sieht keine Lösung.

Der Depression ausgeliefert zu sein. Seinen erkrankten Angehörigen kaum wieder erkennt anhand von Handlungen,Aussagen und Verhaltensweisen

Mutlosigkeit

Bsp. Das wird nie besser. Ich schaffe das Leben nicht mehr. Nichts will mir mehr gelingen. Zu nichts kann ich mich aufraffen.

Egal was ich sage, es immer etwas falsch. Egal wie viel ich dem anderen abnehme, ihm den Rücken freihalte – sein Zustand wird nicht besser.

Grübeln und Resignation

Zum Beispiel: Ich muss mich zusammen-
reißen, der andere hat sich soviel Mühe gemacht mir etwas Gutes zu tun. Ich darf mich nicht hängen lassen! Ich kann nicht schon wieder „Nein“ sagen und den anderen verletzen. Ich wünschte ich wäre nicht mehr da. Ich falle allen nur zur Last.

Zum Beispiel: Was kann ich noch tun um dem anderen zu helfen? Warum nimmt er nichts an? Was soll ich denn noch sagen? Nie kann er sich über etwas freuen. Ich weiß nicht wie lange ich das noch schaffe. Schon wieder hat er schlechte Laune. Schon wieder geht er hier und da nicht mit. Was soll ich den anderen denn noch für Ausreden auftischen?


Beide Gruppen haben viele Parallelen:

  • Ein Satz von einem Depressiven kann einen
    Angehörigen sehr verletzen – umgedreht aber auch.

  • Missverständnisse und das Gefühl nicht verstanden zu werden
    (auf beide Seiten) können zu Streitigkeiten führen.

  • Zu viel Hilfe kann beim Depressiven zu einer Bestätigung dessen führen, was er
    ohnehin schon über sich denkt, nämlich das er wertlos ist und wirklich nichts mehr
    alleine regeln kann. Zu wenig kann zu einer Überforderung führen.

  • Diese Überforderung kann bei zu viel Hilfe auch beim Angehörigen auftreten,
    der irgendwann mit seinen Kräften am Ende ist.

Sowohl der Depressive als auch der Angehörige sollten sich:

  • Über die Krankheit informieren

  • Die Krankheit annehmen

  • Sich von einem Arzt, der Caritas oder ähnlichen Einrichtungen beraten lassen

  • Selbsthilfegruppen aufsuchen um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen

  • Hilfreich können auch gemeinsame Beratungen sein. Der Psychologe kann
    unter Umständen helfen einen Dialog zwischen beiden Parteien wieder herzustellen

  • offen damit umgehen und zu der Situation, so wie sie jetzt ist, zu stehen

 

Einen Leitfaden der für ALLE gilt, gibt es für beide Gruppen nicht.

Jeder erlebt und lebt eine Depression anders und jeder Angehörige
erlebt die Erkrankung anders.


Konstellationen

Eltern-Kind Beziehungen aber auch Paarbeziehungen haben es, meiner Ansicht nach, immer etwas schwerer da man sich emotional ganz anders gegenüber steht. Beide erleben mit dem Depressiven alle Phasen und haben kaum Möglichkeiten sich abzugrenzen da vieles fließend ineinander verläuft und damit „Gefahren“ nicht gesehen werden („Betriebsblindheit“).

Im Bereich Freundschaft oder Arbeitskollegen hat man die Möglichkeit sich immer wieder „auszuklinken“ um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, sich Ressourcen zu schaffen ohne im ständigen Kontakt mit dem Depressiven zu stehen. Das kann dazu führen das der Nicht-betroffene Situationen aus der „Vogelperspektive“ sieht und damit dem Depressiven auch wertvolle Hinweise, Sichtweisen oder Hilfestellungen anbieten kann.


Was ich für mich in Selbsthilfegruppen und anhand Fachliteratur als Angehöriger mitgenommen habe (Al-Anon, EKS):

  • Der Depressive ist nicht der „Invalide“ auf den IMMER Rücksicht genommen werden muss

  • Auszeiten nehmen um wieder bei sich selbst zu sein

  • Grenzen setzen

  • Ein Recht auf eigene Gefühle und Ansichten zu haben die
    mit dem Depressiven nicht konform laufen müssen

  • Sich nicht selbst zu überfordern

  • Gut auf sich zu achten damit man nicht zum Symptomträger wird
    und plötzlich ähnliche Gedanken entwickelt wie der Depressive

  • Nur wenn ich auf mich achte, kann ich dem Depressiven
    aufgrund meiner Kraft eine gute Unterstützung sein

  • Auseinandersetzungen nicht IMMER aus dem Weg gehen!
    Sie können auch dem Depressiven nützlich sein.

  • Auf Aussagen wie „nie mache ich etwas richtig“, „ es ist immer das Gleiche“
    mit Fragen zur Realitätsüberprüfung antworten

  • „Stimmt deine Aussage du NIE etwas richtig machst (eventuell Anhand eines Beispiels).
    „Wie war das denn in der und der Situation und was war da anders?“

  • Ich MUSS nicht für alles Verständnis haben, aber ich respektiere die Meinungen,
    Gedanken, Gefühle und Entscheidungen des anderen.

  • In für mich ausweglosen Situationen ein Gruppenmitglied zu kontaktieren oder
    ein Beratungsgespräch vereinbaren

  • Bei drohender Suizidgefährdung sofort die Notrufnummer wählen!



"Gibt es einen Könsigweg"
Ambulante Gruppe für Angehörige psychisch kranker Menschen...


Diese Gruppe
 wird von der Ambulanz der Vitos Klinik Heppenheim veranstaltet:
Jeden 1. Dienstag im Monat von 19.00 Uhr bis 20.30 Uhr.

Durch die Gruppenarbeit erfahren Angehörige psychisch kranker Menschen, dass sie ein Recht auf eigenes Wohlergehen haben und lernen im Umgang mit einem psychisch kranken Menschen gelassener und sicherer zu werden, um ihm wirklich hilfreich zur Seite stehen zu können.

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